Gleichberechtigte Teilhabe ist eine Frage demokratischer Qualität

Berlin. Parität ist für mich mehr als eine Frage von Zahlen und Quoten. Sie berührt eine der zentralen Fragen unserer Demokratie: Wer sitzt mit am Tisch, wenn Entscheidungen getroffen werden, die unsere Gesellschaft und unsere Zukunft prägen?

Bei der Veranstaltung ParitätJetzt! in Berlin wurde erneut deutlich, dass politische Teilhabe nicht allein daran gemessen werden kann, ob Menschen formal die gleichen Möglichkeiten haben. Entscheidend ist auch, ob unterschiedliche Perspektiven tatsächlich dort vertreten sind, wo politische Verantwortung übernommen, Prioritäten gesetzt und Entscheidungen getroffen werden.

Frauen stellen die Hälfte unserer Gesellschaft. Dennoch sind sie in Parlamenten und politischen Führungspositionen weiterhin nicht entsprechend repräsentiert. Für mich geht es dabei nicht darum, Frauen gegen Männer auszuspielen. Es geht um die Qualität demokratischer Repräsentation und um die Frage, ob wir auf Dauer auf einen erheblichen Teil gesellschaftlicher Erfahrungen und Perspektiven in politischen Entscheidungsprozessen verzichten wollen.

Besonders eindrücklich war für mich in Berlin die Erinnerung an meine Freundin Prof. Dr. Rita Süssmuth. Sie gehörte zu den Persönlichkeiten, die gesellschaftliche Debatten angestoßen haben, bevor deren Positionen mehrheitsfähig oder selbstverständlich waren. Ihr politisches Wirken steht für eine Haltung, die bis heute aktuell ist: Fortschritt entsteht nicht durch Abwarten. Er entsteht, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, bestehende Strukturen zu hinterfragen und Veränderung mitzugestalten.

Dabei bedeutet mehr politische Teilhabe von Frauen keineswegs mehr politische Einigkeit. Frauen haben unterschiedliche Biografien, Überzeugungen, Interessen und politische Antworten – und genau das ist richtig. Demokratie lebt nicht von Gleichförmigkeit, sondern vom Wettbewerb unterschiedlicher Ideen.

Gleichberechtigung bedeutet deshalb nicht, dass Frauen mit einer Stimme sprechen müssen. Sie bedeutet, dass ihre unterschiedlichen Stimmen mit gleicher Selbstverständlichkeit gehört werden.

Gerade über Partei-, Herkunfts- und Milieugrenzen hinweg sollten wir deshalb dort zusammenarbeiten können, wo uns ein gemeinsames demokratisches Ziel verbindet. Unterschiede müssen dafür nicht verschwinden. Eine starke Demokratie hält Unterschiede aus – und schafft gleichzeitig Raum für gemeinsame Verantwortung.

Deshalb habe ich die Initiative ParitätJetzt! unterstützt und unterschrieben.

Nicht, weil eine Unterschrift allein politische Strukturen verändert. Sondern weil Veränderung damit beginnt, Haltung sichtbar zu machen und daraus konkrete Schritte entstehen zu lassen.

Mein Verständnis von Demokratie ist eine Gesellschaft, in der Frauen nicht erst eingeladen werden müssen, politische Zukunft mitzugestalten. Sie müssen dort selbstverständlich vertreten sein, wo über diese Zukunft entschieden wird.

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